Das Konzept von Reittherpie Seelenpferde




Leitbild und Grundhaltung
Die Reittherapie Seelenpferde gGmbH ist eine gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Sie verfolgt keine wirtschaftlichen, sondern ausschließlich gemeinnützige Zwecke: Alle Einnahmen fließen in die Finanzierung, Erhaltung und Weiterentwicklung der Angebote sowie in die tiergerechte Haltung und Ausbildung unserer Therapietiere.
Im Mittelpunkt stehen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit besonderem Unterstützungsbedarf. Ziel unserer Arbeit ist es, Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen, Teilhabe zu fördern und Lebensqualität zu steigern. Dabei sind Wertschätzung, Ressourcenorientierung, Partizipation, Kinderschutz und Tierwohl grundlegende Leitprinzipien. Jede Begegnung mit Mensch und Tier soll von Respekt, Achtsamkeit und Transparenz geprägt sein.







Rahmenbedingungen der Einrichtung
Ort und Anlage
Die pferdegestützten Interventionen finden im Reittherapiezentrum Seelenpferde am Tenterweg 1 in 40885 Ratingen-Breitscheid statt. Hier entsteht ein geschützter, naturnaher Ort, an dem Kinder, Jugendliche und Erwachsene in ruhiger Atmosphäre mit unseren Tieren in Kontakt kommen, Vertrauen aufbauen und individuelle Förderung erleben können.
Unsere Tiere leben in artgerechter Haltung im Herdenverband und verbringen – je nach Witterung und gesundheitlicher Situation – viel Zeit auf großzügigen Flächen und in naturnaher Umgebung. Die Lage nahe an Wiesen, Wegen und Wald schafft einen besonderen Rahmen für pferdegestützte Förderung, Naturerfahrung, Bewegung und soziale Lernprozesse.
Je nach Zielsetzung und individuellem Bedarf können unterschiedliche Settings genutzt werden, zum Beispiel Stallbereich, Reitplatz, umliegendes Gelände oder andere vorbereitete Förderbereiche. So lassen sich sowohl reizreduzierte und strukturgebende als auch erlebnisorientierte und herausfordernde Situationen gestalten.
Gemeinnützigkeit
Die Reittherapie Seelenpferde ist als gemeinnützige gGmbH anerkannt. Es werden keine Gewinne ausgeschüttet; alle Überschüsse werden in folgende Bereiche reinvestiert:
• Sicherung und Ausbau der Angebote
• Fort- und Weiterbildung des Teams
• tiergerechte Haltung, Ausbildung und Gesundheitsvorsorge der Therapietiere
• Qualitätsentwicklung, Kinderschutz und Konzeptarbeit
• Aufgrund der Gemeinnützigkeit werden die Leistungen umsatzsteuerfrei abgerechnet.
Zielgruppen
Die Angebote richten sich vorrangig an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, deren kognitive Entwicklung dem Kindesalter entspricht, sowie an Einrichtungen der Kinder-, Jugend-, Beeinträchtigungs- und Eingliederungshilfe.
Angesprochen sind unter anderem Menschen mit:
• Autismus-Spektrum-Störungen
• Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen, zum Beispiel ADHS
• Entwicklungsverzögerungen und Lernbeeinträchtigungen
• körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen
• Traumafolgestörungen, zum Beispiel nach Vernachlässigung, Missbrauch oder Flucht
• emotional-sozialen Auffälligkeiten und Verhaltensstörungen
• Ängsten, Depressionen oder psychosomatischen Beschwerden
• Störungen im Sozialverhalten oder Selbstwertempfinden
• chronischen Erkrankungen oder besonderen familiären Belastungen
Entscheidend ist nicht die Diagnose, sondern der individuelle Förderbedarf und die fachliche Einschätzung, ob pferdegestützte Interventionen sinnvoll und verantwortbar sind.[Memory]
Grundlagen pferdegestützter Interventionen
Unter „pferdegestützten Interventionen“ werden alle Angebote zusammengefasst, in denen Pferde, Ponys oder Maultiere gezielt in pädagogischen und therapeutischen Prozessen eingesetzt werden.
Pferde begegnen Menschen vorurteilsfrei und reagieren hochsensibel auf Körpersprache, Spannung und innere Zustände. Sie spiegeln Haltungen und Emotionen unmittelbar. Dieses ehrliche, nonverbale Feedback macht innere Prozesse sichtbar und erfahrbar. Die dreidimensionale, rhythmische Bewegung des Pferdes wirkt regulierend auf Muskeltonus, Gleichgewicht, Körperwahrnehmung und vegetatives Nervensystem.
Unsere Therapietiere behalten ihren eigenen Charakter. Sie sind sorgfältig ausgebildet, offiziell als Therapietiere zertifiziert und werden kontinuierlich begleitet. Authentische Begegnung und fachliche Sicherheit bilden die Grundlage unserer Arbeit.
Pädagogisch-therapeutische Zielsetzungen
Die Ziele werden individuell mit Klient:in und Sorgeberechtigten vereinbart und in Förderplänen dokumentiert. Mögliche Zielbereiche sind:
• Motorische Förderung
Verbesserung von Gleichgewicht, Körperspannung, Haltung, Fein- und Grobmotorik sowie Koordination.
• Wahrnehmungsförderung
Unterstützung der sensorischen Integration durch Bewegung, Berührung, taktile, vestibuläre und propriozeptive Reize.
• Kognitive Förderung
Training von Aufmerksamkeit, Konzentration, Merkfähigkeit, Handlungsplanung, Problemlösen und Strukturierungsfähigkeit.
• Sozial-emotionale Förderung
Ausbau von Empathie, Frustrationstoleranz, Kommunikations- und Konfliktfähigkeit, Selbstwert und Beziehungsfähigkeit.
• Psychische Stabilisierung
• Abbau von Ängsten, Förderung von Selbstregulation und Stressabbau, Stärkung von Vertrauen, Sicherheit und Resilienz.
Alle Angebote sind ressourcenorientiert und auf die Übertragbarkeit in Alltag, Familie, Schule, Wohngruppe oder Arbeitsbereich ausgerichtet.
Heilpädagogische Reittherapie als Methode
Reittherapie nutzt die spezifische Bewegungsdynamik des Pferdes und die besondere Mensch-Tier-Beziehung, um Entwicklungs- und Heilungsprozesse anzuregen.
Die dreidimensionale Bewegung des Pferdes im Schritt überträgt sich auf den Körper des Menschen und kann Tonus, Haltung und Gleichgewicht regulieren. Gleichzeitig entsteht ein intensives Beziehungs- und Bindungserleben: Nähe, Getragensein, Vertrauen und Zutrauen werden erfahrbar.
Reittherapie beginnt jedoch weit vor dem eigentlichen Reiten. Schon der Aufenthalt im Stall, das Beobachten der Herde, das Führen, Putzen und Versorgen der Tiere bieten vielfältige pädagogische und therapeutische Lernfelder. Das Pferd fordert klare Kommunikation, Präsenz im Augenblick, Rücksichtnahme und Verantwortungsübernahme.
Reittherapie kann:
• Symptome lindern
• Entwicklungsprozesse anstoßen und begleiten
• Selbstwirksamkeitserleben und Lebensfreude steigern
• soziale Kompetenzen und Beziehungsfähigkeit stärken
Sie findet je nach Zielsetzung auf dem Pferd, am Boden, in der Pflege oder in freien Beobachtungssituationen statt.
Ablauf und Methodik:
Erstkontakt und Schnuppereinheit
Am Beginn steht ein telefonisches oder schriftliches Vorgespräch. In einer Schnuppereinheit von etwa 45 Minuten lernen sich Klient:in, Bezugsperson und Reittherapeutin kennen. Themen, Bedürfnisse, Ziele und mögliche Kontraindikationen werden besprochen.
Der oder die Klient:in begegnet dem Therapietier in ruhiger Atmosphäre, kann beobachten, vorsichtig Kontakt aufnehmen, streicheln oder erste kleine Aufgaben übernehmen. Anschließend werden gemeinsam das weitere Vorgehen und ein mögliches Setting, zum Beispiel Einzel, Tandem oder Eltern-Kind, festgelegt.
Förderplanung und Dokumentation:
Zu Beginn der Zusammenarbeit werden individuelle Ziele definiert und in einem Förderplan festgehalten. Es finden regelmäßige Zwischenreflexionen und Abschlussgespräche statt. Jede Einheit wird inhaltlich dokumentiert, um Verlauf und Wirkung transparent zu machen.
Auf Wunsch und mit Einwilligung kann mit weiteren Fachpersonen wie Ärzt:innen, Therapeut:innen, pädagogischen Fachkräften oder Einrichtungen kooperiert werden, um eine bestmögliche, vernetzte Förderung zu erreichen.
